Sehr geehrte Aktionäre, sehr geehrte Damen und Herren,

das Geschäftsjahr 2025 hat uns vor besondere Herausforderungen gestellt – und es hat uns Demut gelehrt. In einer heterogenen Industrieholding wie der GESCO SE wirken sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Geschäftsaussichten nicht einheitlich aus: Einige unserer Tochtergesellschaften mussten in einem anspruchsvollen Marktumfeld deutliche Belastungen verkraften; andere haben ihre Chancen mit beeindruckender Konsequenz genutzt und solide Beiträge zum Erfolg der Gruppe geleistet. Diese Diversifizierung ist Ausdruck unseres GESCO-Geschäftsmodells, das für alle unserer Tochtergesellschaften eine marktführende Stellung vorsieht.

Rahmenbedingungen 2025 – Belastungen, die den Takt vorgaben

Das Jahr 2025 stand weiterhin im Zeichen einer anhaltend gedämpften Industriekonjunktur in Deutschland und Europa. Geopolitische Unsicherheit, hohe Energiepreise und ein über weite Strecken restriktives Zinsumfeld wirkten wie ein Bremsklotz für Investitionsentscheidungen – insbesondere bei Kunden in zyklischen Branchen. In vielen Märkten wurde nicht grundsätzlich weniger benötigt, aber vorsichtiger disponiert: Projekte wurden verschoben, Budgets neu priorisiert, Lagerbestände enger gesteuert. Gleichzeitig erhöhten Kosteninflation und Lohnanstiege den Druck auf die Margen – gerade dort, wo Wertschöpfungstiefe und Personalintensität hoch sind.

Unsere Tochtergesellschaften haben darauf mit hoher Anpassungsfähigkeit reagiert: mit konsequenter Preis- und Konditionenarbeit, mit Fokus auf Lieferfähigkeit und Qualität, vor allem aber mit struktureller Verbesserung der eigenen Prozesse. Dieser Punkt ist entscheidend: 2025 war von den Finanzkennzahlen eher enttäuschend, aber nicht von den erreichten operativen Verbesserungen. Es war ein Jahr, in dem wir viele Prozesse durchleuchtet und im Rahmen des GESCO Business Systems erhebliche Verbesserungen vorgenommen und uns damit auf die nächste Wachstumsphase vorbereitet haben.

Gesco Vorstand Andrea Holzbaur

„Unsere solide Bilanz verschafft uns die notwendige Handlungsfreiheit, um nicht nur organisch zu investieren, sondern auch Chancen für anorganisches Wachstum zu nutzen.“

Andrea Holzbaur
CFO

GESCO Business System – erste Erfolge werden sichtbar

2025 war ein Jahr, in dem sich das GESCO Business System (GBS) als Transformationsrahmen weiter bewährt hat. Das GBS verstehen wir als Klammer für Methoden, Grundsätze und bewährte Verfahren – insbesondere auch auf Basis von Lean Management – und genau darin liegt seine Stärke: Es macht aus Erfahrungswissen ein wiederholbares und gut implementierbares System.

Die zentrale Veränderung, die wir 2025 in vielen Einheiten sehen, ist eine bessere Verbindung zwischen Strategie und operativer Umsetzung. Das GBS hilft, Ziele nicht nur zu formulieren, sondern in messbare Initiativen zu übersetzen: Produktivität, Ausschuss, Rüstzeiten, Materialflüsse, Bestände, Liefertermintreue. Das ist harte Arbeit, und sie ist nicht überall gleich weit fortgeschritten. Aber die Richtung ist klar: Wo Lean konsequent umgesetzt wird, steigt die Fähigkeit, in volatilen Märkten profitabel zu bleiben – und bei wieder anziehender Nachfrage überproportional zu skalieren.

Ein weiterer Effekt ist kulturell: Lean stärkt Verantwortung dort, wo sie hingehört – nah am Prozess. Teams werden befähigt, Probleme sichtbar zu machen, systematisch zu lösen und Verbesserungen zu verankern. Gerade in Zeiten hoher Kosten und schwankender Nachfrage ist diese Befähigung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

 

Geschäftsentwicklung 2025

Die Entwicklung der Konzernkennzahlen im Geschäftsjahr 2025 ist differenziert zu bewerten. Auf der Umsatzseite zeigte sich die anhaltend gedämpfte Nachfrage, zugleich konnte die Ergebnisqualität in Teilen verbessert werden, nicht zuletzt als Folge konsequenter Effizienzmaßnahmen.

Der Konzernumsatz belief sich auf 495,0 Mio. € nach 513,8 Mio. € im Vorjahr, was einem Rückgang von 3,7 % entspricht. Das EBIT stieg trotz Umsatzrückgang von 15,2 Mio. € auf 15,5 Mio. €; entsprechend verbesserte sich die EBIT-Marge (ROS - Return on Sales) leicht auf 3,1 % nach 3,0 %. Das Konzernergebnis nach Anteilen Dritter konnte mehr als verdoppelt werden und lag bei 9,9 Mio. € nach 4,4 Mio. € im Vorjahr; das Ergebnis je Aktie stieg damit auf 0,96 € nach 0,42 € im Jahr 2024.

Auch bilanziell zeigt sich GESCO äußerst solide: Zum 31.12.2025 belief sich das Eigenkapital auf 272,6 Mio. €; die Eigenkapitalquote betrug 60,9 %.

Diese Kennzahlen machen zweierlei sichtbar: Erstens hat sich der Konzern in einem schwierigen Marktumfeld stabil behauptet. Zweitens ist es gelungen, trotz erheblicher (einmaliger) Belastungen die Profitabilität ungeachtet einer schwachen Nachfrage zu verbessern.

Vorstand Johannes Pfeffer

„2025 war ein Jahr, in dem wir viele Prozesse durchleuchtet und im Rahmen des GESCO Business Systems erhebliche Verbesserungen vorgenommen und uns damit auf die nächste Wachstumsphase vorbereitet haben.“

Johannes Pfeffer
CEO

Meilenstein 2025 – Erwerb der Eckart GmbH

Ein besonderer Meilenstein des Geschäftsjahres 2025 war der Erwerb der Eckart GmbH, der am 1. Juli 2025 kommuniziert und rückwirkend zum 1. Januar 2025 wirksam wurde. Eckart mit Sitz im hessischen Schlüchtern ist auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb hydraulischer Schwenkmotoren und Drehantriebe, Armaturenantriebe sowie Hub Schwenkeinheiten spezialisiert. Die Produkte werden in vielfältigen Anwendungen mobiler Arbeitsmaschinen eingesetzt, etwa im Bergbau, bei Baumaschinen und in der Intralogistik, aber auch in Anwendungen des stationären Maschinenbaus.

Strategisch stärkt die Akquisition das Segment Industrial Assets & Infrastructure und passt sehr gut zu unserem Anforderungskatalog für M&A Targets, insbesondere im Hinblick auf differenzierungsprägende Wertschöpfung, Innovationsfähigkeit und ein kundenerfolgsrelevantes Angebot. Eckart verfügt zudem über Distributionszentren in wichtigen Märkten wie den USA, China, Frankreich und Italien und ist damit international gut positioniert. Die Übernahme ist nicht nur eine gezielte Portfolioergänzung, sondern ein konsequenter Schritt in der verfolgten Wachstumsstrategie der GESCO SE, die organisches Wachstum und anorganisches Wachstum gleichermaßen einschließt.

 

Blick nach vorn

Für 2026 sehen wir Gründe für vorsichtigen Optimismus. In Deutschland mehren sich Anzeichen, dass sich das konjunkturelle Umfeld stabilisieren könnte, getragen von der Perspektive sinkender Zinsen, einer nachlassenden Inflationsdynamik und einer graduellen Belebung industrieller Nachfrage. Niemand sollte erwarten, dass sich die Lage abrupt oder linear verbessert; zugleich ist die Richtung entscheidend, denn aus einer Phase des Abwartens kann wieder eine Phase der Entscheidungen und Investitionen werden.

GESCO geht in eine mögliche Belebung mit einer Ausgangslage, die wir gezielt aufgebaut haben: Die im Jahr 2025 von den Tochtergesellschaften angestoßenen und umgesetzten operativen Verbesserungen sind keine kurzfristige Kampagne, sondern ein struktureller Hebel für Produktivität, Qualität und Lieferfähigkeit. Wenn die Auslastung wieder steigt, sollten diese Fortschritte überproportional wirken – in Marge und Cashflow – und damit die Ergebnisqualität weiter erhöhen. Unser momentaner GBS-Schwerpunkt auf Vertriebs- und Wachstumsinitiativen wird diese Entwicklung auch schon im laufenden Geschäftsjahr fördern und unterstützen.

Zugleich verschafft uns unsere solide Bilanz die notwendige Handlungsfreiheit, um nicht nur organisch zu investieren, sondern auch Chancen für anorganisches Wachstum zu nutzen. Als langfristiger Partner für den industriellen Mittelstand sehen wir weiterhin attraktive Opportunitäten, nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Nachfolgesituationen.

Vor diesem Hintergrund kann es gerade jetzt besonders interessant sein, GESCO als Aktionär zu begleiten. In der derzeit von Unsicherheiten geprägten Phase sind Unternehmen attraktiv, die sich kontinuierlich verbessern und die zugleich über finanzielle Spielräume verfügen, um antizyklisch investieren zu können. GESCO vereint beides – die systematische operative Transformation in den Unternehmen und die Fähigkeit, Wert durch gezielte Zukäufe zu schaffen.

Für bestehende Aktionäre mag es angesichts der unbefriedigenden Aktienkursentwicklung nur ein schwacher Trost sein, dass in den vergangenen Jahren viel Substanz aufgebaut wurde. Diese ist jedoch die Basis für unsere Zuversicht, künftig wieder deutlich bessere Ergebnisse erzielen zu können und damit auch wieder eine Wende beim Aktienkurs zu erreichen.

Gesco Vorstand Andrea Holzbaur und Johannes Pfeffer

Dank

Zum Abschluss danken wir Ihnen – unseren Aktionären – ausdrücklich für Ihr Vertrauen, Ihre Geduld und Ihre Unterstützung. Sie ermöglichen uns, langfristig zu handeln: zu investieren, zu transformieren und antizyklisch Chancen zu nutzen. Unser Dank gilt ebenso unseren Mitarbeitern in allen Tochtergesellschaften, die das Jahr 2025 mit großem Einsatz und hoher Professionalität gemeistert haben.

Wir arbeiten daran, die Stärken unserer Industrieholding weiter auszubauen – verantwortungsbewusst, leistungsorientiert und mit dem klaren Ziel, nachhaltigen Wert für Sie zu schaffen.

Herzliche Grüße aus Wuppertal

Johannes PfefferAndrea Holzbaur
CEOCFO